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Geschichte des Sitzens
Man kann die Geschichte des Sitzens sicherlich so lange zurückverfolgen ,wie auch der Mensch gelernt hat aufrecht zu gehen. In den ersten Phasen der Evolution hat das Sitzen auf Möbeln, so wie wir es heute betrachten nicht den Stellenwert gehabt. Steine, Steinvorsprünge, Bäume etc. waren die ersten „Möbel“.
Durch die Entwicklung vom 4-Beiner zum 2-Beiner ist eine zeitweise Entlastung des Körpers durch Sitzen oder Liegen notwendig geworden. Vor ca. 2 Mio. Jahren sind die ersten gefertigten „Sitzunterstützungen“ nachweisbar.
Mit dem Umbau der Wirbelsäule, dem aufrechten Gang und dem Kopf, der nicht mehr wie bei vielen anderen Säugetieren vor der Brustwirbelsäule sondern fast senkrecht über der Brustwirbelsäule auf einer gebogenen Hals- Brust-, Lenden- und Sakralwirbelsäule gehalten wird, entstanden neue Möglichkeiten für den menschlichen Körper. Hirn und Sinnesorgane entfalteten neue Möglichkeiten.
Bänder und Sehnen, Kreislauf, Muskeln und Knochen im Bewegungsapparat wurden mit neuen Belastungen konfrontiert. Die Notwendigkeit der Elastizität im Bewegungsapparat brachte einen massiven Umbau gegenüber allen 4-beinigen Säugern.
Mensch lernte seinen Körper in der Wechselwirkung aus Bewegung und Entspannung einzusetzen. Lange Lauf- und Bewegungszeiten wurden möglich.
Der Mensch der Antike hatte zum ersten Mal Zeit zum „relaxen“. Liegesysteme, die schon in Altägypten und Griechenland zum Einsatz kamen, bieten auch heute noch die Grundlage für Couchsysteme.
Der heute hoch gelobte Long-Chair ist eine Erfindung, die schon im alten Griechenland bekannt war. Sitzen war aber zu der Zeit eine erhabene Sache, die nur bestimmten gesellschaftlichen Kreisen in der Öffentlichkeit zugebilligt wurde.
Beispiele für Stühle, Sessel und nach hinten orientierte Sitzformen finden sich in allen Gesellschaftskreisen. Inka und Maja nutzten offensichtlich genauso wie die Ägypter Sitz-Liegen, die variabel waren.
Steife Sitze mit harten, stehenden Lehnen brachte das Mittelalter. Auf dem Stuhl, an der Tafel oder auf dem Thron zu sitzen war das Privileg des Hochadels. Ergonomische Möbel gab es in dieser Zeit mehr im privaten Bereich als Bett oder Liege.
Das nach hinten orientierte Sitzen wurde im Biedermeier und in der ersten Phase der industriellen Revolution durch Arbeitsbänke und nach vorne kippende Arbeitsstühle um eine neue Variante bereichert. Viele Menschen standen aber in dieser Zeit immer noch am Stehpult. Diese bis heute erfolgreiche und für den Körper schonende Arbeitsweise erlebt mit zeitgemäßen, neuen motorisch verstellbaren Tischen einen Aufschwung. Ergänzt durch normale Arbeitstische ist das Wechselspiel als Belastung und Entlastung optimiert.
Arbeitsstühle aus der Bismarckzeit zeichnen sich durch erste Dreh-Kipp-Beschläge aus, wie sie auch von der Fa. Stoll in Waldshut verbaut wurden. Beamtenstühle und Stühle für Schreibstuben der ersten Generation, die sich in verschiedenen Holz- Metallkombinationen über zwei Weltkriege erhalten haben.
Ergänzungen kamen über Höhenverstellungen auf Spindelbasis, um die Körpergröße des Nutzers zu berücksichtigen.
Anfang der 50-er Jahre begann die Entwicklung von Synchronmechaniken, Balance- und Kippmechaniken heutigen Typs. Der Drehstuhl mit verschiedenen Einstellmöglichkeiten, Armlehnen mit Höhenverstellung und einer beweglichen Rückenlehne fand Einzug in die Büros der damaligen Zeit.
Acti-Lord, Asynchronmechaniken, Glide-tec und diverse andere Systeme wurden getestet und teilweise vom Markt übernommen, von Nutzern für gut oder nicht tauglich befunden.
Nicht jeder Stuhl eignet sich für jeden Menschen.
Seit ca. 35 Jahren spielen die Computer in unserer Gesellschaft eine zunehmende Rolle, auf die die Stuhlindustrie Antworten finden musste. Neue Sitzsysteme mit Sitzneige, Becken- und Schulterstütze und unterstützenden Elementen im Halswirbelbereich / Kopfstützen kamen auf den Markt. Hilfsmittel wie „Keilkissen“ sorgten auf zum Teil überalterten Stühlen zumindest für eine geringfügige Verbesserung des Sitzverhaltens. Zielgruppenorientierte Baugruppen von ergonomischen Stühlen wurden an die Arbeitsabläufe von Menschen und deren Umgebung angepasst. Das nach vorne und auf eine Tastatur ausgerichtete Sitzen und Arbeiten entstand.
Heutige, ergonomische Dreh- und Arbeitsstühle sind an die Bedürfnisse von Mitteleuropäern meistens mit viel Variabilität, hoher Materialwertigkeit und leichter Bedienbarkeit angepasst. Nach vorne orientiertes Sitzen bedingt eine erhöhte Belastung für Lenden und Brustwirbelsäule. Das Gewicht des Oberkörpers, ca. 30 – 35 % des Gesamtkörpergewichtes – sind dann vor und schräg nach vorne über dem Becken angeordnet. (Erhöhter Verschleiß von Wirbeln, Gelenken und Bandscheiben) Stühle, die in Deutschland und dem benachbarten Ausland gebaut und entwickelt werden, wie z. B. die Produkte aus dem Hause Stoll – (gilt für alle 3 Brüder) Grahl, Köhl, HAG, Herman Miller , sind besonders auf die Abmessungen und Gewichte eines Mitteleuropäers ausgelegt. Hersteller, die in Indien, Pakistan oder in China fertigen lassen, berücksichtigen oft die in den Herstellungsländern üblichen Größen- und Gewichtstabellen, um auch Kosten zu sparen, was sich dann zum Nachteil vom Nutzer und dessen Körper auswirken kann.
Moderne Büro- und Arbeitsstühle, ergonomische Sitzmöbel jeder Art sollten auf die spezifischen Bedürfnisse des Nutzerkreises abgestimmt sein. Hierzu zählen auch Klimapolster, die eine gemäßigte Sitztemperatur ermöglichen wie auch Schallschutzsysteme, die in Großraumbüros ihre Notwendigkeit finden.
Die Flexibilität in der Sitzposition in Einheit mit guter Unterstützung ist heute das Markenzeichen guter Stuhlhersteller. Neue Sitzformen wie der Sattelsitz, Stehhilfen oder Swopper sind sowohl für den Trainingsbereich als auch als Abwechslung am Arbeitsplatz geeignet. Tiefenfederungssysteme entlasten heute beim Hinsetzen oft die Wirbelsäule mit verminderten Druckbelastungen. Gefäße werden über stark ablaufende, zum Teil mit Taschenfederkernen versehene Sitze entlastet. Kürzere Sitze, die das Oberkörpergewicht auf die „Sitzhöcker“ verlagern bilden zusammen mit „aktiven Beckenstützen“ weitere Vorteile für die Nutzer.
Neuentwicklungen der kommenden Jahre stehen unter dem Stern: einfacher, intelligenter und körpergerechter Sitzen. Besser Sitzen.
Neue Sitzsysteme versuchen mit intelligenten Lehnensystemen die Lendenwirbelsäule zu entlasten. Gefäßbelastungen im Unterbauch, den Oberschenkeln und den Waden lassen sich durch flexible, intelligent dem Sitzverhalten folgende Sitzformen ausgleichen.
Bei allen Dingen ist aber immer wieder zu beachten: Der Mensch braucht Bewegung.
6 Stunden tägliche Sitzzeit sind genetisch gesehen als Obergrenze für unseren Organismus anzusehen.
Lauf und Ruhezeiten sollten den Tagesablauf ergänzen.
Wir sind nicht zum Sitzen geboren, können aber durch geeignete, individuell angepasste, ergonomische Sitzmöbel und Stühle den Körper entlasten.
Hinweise zum besseren Sitzen finden Sie im Unterpunkt: Gesundes Sitzen
